Mieterstrom: Solar im Mehrfamilienhaus richtig aufsetzen
Ein Dach voller Mietwohnungen, eine PV-Anlage darauf, Strom fuer die Bewohner statt nur fuer die Einspeisung: Das ist Mieterstrom. Klingt einfach, ist im Detail aber ein Zusammenspiel aus Technik, Vertraegen und Abrechnung. Dieser Ratgeber erklaert, wann sich das 2026 wirklich rechnet und wo die typischen Stolperfallen liegen.
Was Mieterstrom genau ist
Bei Mieterstrom erzeugt eine PV-Anlage auf oder an einem Mehrfamilienhaus Strom, der direkt an die Mieter im selben Gebaeude verkauft wird, ohne das oeffentliche Netz zu durchlaufen. Rechtlich geregelt ist das im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), zuletzt geschaerft durch das Solarpaket I von 2024, das die frueher sperrige Foerderung deutlich praxistauglicher gemacht hat. Der Mieter bleibt frei in der Wahl seines Stromanbieters, muss den Mieterstrom also nicht abnehmen. Was ins Gebaeude nicht verbraucht wird, geht wie bei jeder PV-Anlage ins Netz und wird verguetet.
Mieterstrom oder gemeinschaftliche Gebaeudeversorgung?
Seit dem Solarpaket I gibt es zwei Wege, und die Verwechslung ist der haeufigste Anfaengerfehler. Klassischer Mieterstrom bringt einen Foerderzuschlag (2026 rund 1,5 bis 2,7 Cent je kWh je nach Anlagengröße (2026: bis 10 kWp ca. 2,67 ct, 40 bis 100 kWp ca. 1,5 bis 1,7 ct) je nach Anlagengroesse bis 100 kWp), verlangt aber Lieferantenpflichten, Abrechnung und Ummeldungen. Die neue gemeinschaftliche Gebaeudeversorgung (GGV) ist deutlich schlanker: Der PV-Strom wird ueber einen internen Verteilschluessel zugeordnet, es gibt keinen Mieterstromzuschlag, dafuer entfaellt viel Buerokratie. Faustregel: Grosse Objekte mit Abrechnungsdienstleister fahren oft mit klassischem Mieterstrom besser, kleine Haeuser mit der GGV.
Was es kostet und was zurueckkommt
Eine Aufdach-PV-Anlage auf einem Mehrfamilienhaus kostet 2026 grob 1.100 bis 1.500 Euro je kWp schluesselfertig, bei groesseren Anlagen (30 bis 100 kWp) eher am unteren Rand. Ein realistisches Beispiel: 40 kWp auf einem Zwoelf-Parteien-Haus, rund 50.000 Euro Investition, davon lassen sich bei gutem Eigenverbrauch im Gebaeude oft 30 bis 45 Prozent des Ertrags direkt vor Ort verkaufen. Der Mieterstrompreis ist gesetzlich gedeckelt auf maximal 90 Prozent des oertlichen Grundversorgertarifs, was 2026 bei vielen Grundversorgertarifen um 35 bis 40 Cent brutto einen echten Mieterpreisvorteil laesst. Amortisation liegt je nach Eigenverbrauchsquote meist bei zehn bis vierzehn Jahren.
Der Verwaltungsaufwand, ehrlich benannt
Hier scheitern die meisten Projekte im Kopf, bevor sie starten. Mieterstrom heisst: Sie werden Stromlieferant. Dazu gehoeren Messkonzept mit geeichten Zaehlern, Anmeldung beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister, monatliche oder jaehrliche Abrechnung, Stromsteuer-Themen und die Belieferung der Mieter mit korrekten Vertraegen. In der Praxis loesen das die meisten Eigentuemer nicht selbst, sondern ueber einen Mieterstrom-Dienstleister oder Contractor, der Technik, Messung und Abrechnung als Paket uebernimmt und dafuer einen Teil der Marge behaelt. Wer das unterschaetzt, baut eine technisch gute Anlage und erstickt danach an der Abrechnung.
Steuern und die 15-Prozent-Grenze
Ein Punkt, den Vermieter oft uebersehen: Wer als Wohnungsvermieter Mieterstrom verkauft, riskiert die erweiterte Gewerbesteuerkuerzung zu verlieren, wenn die Einnahmen aus der Stromlieferung die gesetzliche Bagatellgrenze von 20 Prozent der Mieteinnahmen ueberschreiten (seit 2023 von 10 auf 20 Prozent angehoben). Bei den meisten Wohnobjekten bleibt Mieterstrom klar darunter, aber pruefen sollte man es. Die Einspeiseverguetung und der Mieterstromzuschlag sind einkommen- beziehungsweise koerperschaftsteuerpflichtig. Ein Steuerberater mit PV-Erfahrung ist hier keine Kuer, sondern Pflicht, gerade bei Objekten in einer vermoegensverwaltenden GmbH.
Wann sich Mieterstrom lohnt und wann nicht
Mieterstrom rechnet sich am besten bei mittleren bis grossen Mehrfamilienhaeusern mit hoher, gleichmaessiger Grundlast am Tag, wenig Leerstand und einem Dach ohne grosse Verschattung. Ideal sind acht Wohneinheiten aufwaerts, weil der Fixaufwand fuer Messung und Abrechnung sich dann auf mehr Zaehlpunkte verteilt. Schwierig wird es bei kleinen Haeusern mit drei bis vier Parteien, hoher Fluktuation oder komplexer Zaehlerstruktur, dort ist die schlanke GGV meist die bessere Wahl. Ein Batteriespeicher hebt die Eigenverbrauchsquote im Gebaeude spuerbar, verlaengert aber die Amortisation, das muss durchgerechnet werden.
Ohne Eigeninvest: Dachpacht als Alternative
Nicht jeder Eigentuemer will 50.000 Euro in die Hand nehmen oder sich mit Abrechnung befassen. Eine Alternative ist die Dachverpachtung: Ein Betreiber baut und betreibt die PV-Anlage auf eigene Kosten, uebernimmt das Mieterstrommodell komplett und zahlt dem Eigentuemer eine Pacht fuer die Dachflaeche. Kein Eigeninvest, kein Betriebsrisiko, dafuer auch kein voller Ertrag, sondern eine planbare Pachtzahlung. Das lohnt sich vor allem fuer Eigentuemer, die die Flaeche nutzen wollen, aber weder Kapital binden noch Betreiber werden moechten.
Häufige Fragen
Muessen Mieter den Mieterstrom abnehmen?
Nein. Die freie Anbieterwahl bleibt gesetzlich garantiert. Mieter koennen jederzeit bei ihrem bisherigen Stromanbieter bleiben oder wechseln, der Mieterstrom ist ein freiwilliges Angebot.
Wie hoch darf der Mieterstrompreis sein?
Er ist gedeckelt auf maximal 90 Prozent des oertlichen Grundversorgertarifs (Arbeits- und Grundpreis). Das garantiert dem Mieter einen echten Preisvorteil gegenueber dem Standardtarif.
Lohnt sich ein Speicher fuer Mieterstrom?
Ein Speicher erhoeht die Eigenverbrauchsquote im Gebaeude und damit den vor Ort verkauften Stromanteil, verlaengert aber die Amortisation. Bei hoher Abendlast im Haus kann er sich rechnen, das sollte individuell durchgerechnet werden.
Was ist einfacher, Mieterstrom oder GGV?
Die gemeinschaftliche Gebaeudeversorgung (GGV) ist buerokratisch deutlich schlanker, weil der Mieterstromzuschlag und viele Lieferantenpflichten entfallen. Dafuer fehlt die Foerderung. Fuer kleine Haeuser ist meist die GGV, fuer grosse Objekte oft der klassische Mieterstrom sinnvoller.
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Mieterstrom rechnet sich vor allem bei groesseren Mehrfamilienhaeusern mit stabiler Tageslast, ist aber ein Vertrags- und Abrechnungsprojekt, kein reines Technikthema; wer Modell, Kosten und Betreiberweg (Eigeninvest oder Dachpacht) sauber vergleichen will, holt sich am besten mehrere geprüfte Angebote ueber den kostenlosen Wattfuchs-Vergleich.