Ratgeber

Wie viel Ertrag bringt 1 kWp Photovoltaik?

Die Faustformel "1 kWp bringt rund 1.000 kWh im Jahr" stimmt in Deutschland erstaunlich oft - aber nur als grober Mittelwert. Wie viel Ihre Anlage wirklich liefert, hängt vom Standort, der Dachausrichtung, der Neigung und der Verschattung ab. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen ehrliche Zahlen für 2026 und wie Sie den Ertrag für Ihr eigenes Dach realistisch abschätzen.

Die kurze Antwort: 900 bis 1.100 kWh pro kWp

In Deutschland liefert 1 kWp installierte Photovoltaik-Leistung je nach Standort und Dach zwischen etwa 900 und 1.100 kWh Strom pro Jahr. Der oft genannte Durchschnitt von rund 1.000 kWh/kWp ist ein brauchbarer Startwert für eine erste Überschlagsrechnung. Eine typische Einfamilienhaus-Anlage mit 10 kWp erzeugt damit grob 9.000 bis 11.000 kWh pro Jahr - das deckt bei den meisten Haushalten den kompletten Jahresverbrauch rechnerisch ab. Die tatsächliche Streuung ist aber real: Zwischen einem guten Süddach im Süden und einem verschatteten Nordwestdach im Norden können leicht 30 bis 40 Prozent Unterschied liegen.

Warum der Standort so viel ausmacht

Der wichtigste Faktor ist die Globalstrahlung an Ihrem Ort. Süddeutschland - etwa Freiburg, München oder das Allgäu - erreicht dank höherer Einstrahlung oft rund 950 bis 1.050 kWh/kWp. Norddeutschland liegt eher bei 800 bis 950 kWh/kWp, das Ruhrgebiet und die Mitte dazwischen. Diese Unterschiede sind über die Jahre stabil und lassen sich mit dem kostenlosen EU-Tool PVGIS ortsgenau nachschlagen. Für eine seriöse Planung sollten Sie also nicht mit dem Deutschland-Mittelwert rechnen, sondern mit dem Wert für Ihre Postleitzahl.

Ausrichtung und Neigung: Süd ist ideal, aber Ost-West ist gut

Ein nach Süden ausgerichtetes Dach mit rund 30 bis 35 Grad Neigung ist der klassische Optimalfall und liefert den höchsten Jahresertrag pro kWp. Eine Ost-West-Anlage bringt zwar rund 10 bis 20 Prozent weniger Jahresertrag, verteilt die Erzeugung dafür breiter über den Tag - morgens Ost, abends West. Das ist für den Eigenverbrauch oft sogar günstiger, weil mehr Strom dann anfällt, wenn Sie ihn brauchen. Selbst reine Ostdächer oder Westdächer erreichen noch etwa 80 bis 85 Prozent des Süd-Optimums. Ein steiles Nordach lohnt sich dagegen meist nicht.

Was den Ertrag im Alltag mindert

Verschattung ist der größte Ertragskiller: Ein einzelner Baum, ein Nachbargebäude oder ein Schornstein kann - je nach Verschaltung der Module und ob Optimierer verbaut sind - deutlich mehr kosten als die verschattete Fläche vermuten lässt. Dazu kommen Kabel- und Wechselrichterverluste (rund 10 bis 15 Prozent, im PVGIS-Standardwert bereits eingerechnet), Verschmutzung und Schnee. Auch die Modulalterung spielt mit: Moderne Module verlieren etwa 0,4 bis 0,5 Prozent Leistung pro Jahr, sind aber meist auf mindestens 80 bis 87 Prozent Leistung nach 25 Jahren garantiert. Nach zwei Jahrzehnten läuft eine gute Anlage also weiterhin auf hohem Niveau.

Rechenbeispiel: 10 kWp auf einem Süddach 2026

Nehmen wir eine 10-kWp-Anlage auf einem gut ausgerichteten Süddach in der Nähe von Stuttgart mit rund 1.050 kWh/kWp: Das ergibt etwa 10.500 kWh Stromerzeugung pro Jahr. Bei einem Vier-Personen-Haushalt mit Wärmepumpe oder E-Auto lassen sich mit Speicher realistisch 50 bis 70 Prozent davon selbst verbrauchen. Jede selbst genutzte Kilowattstunde spart aktuell rund 30 bis 35 Cent Netzstrom, überschüssiger Strom wird 2026 mit gut 7 bis 8 Cent pro kWh vergütet (Einspeisung, Teileinspeisung; Wert regelmäßig prüfen). Genau diese Aufteilung zwischen Eigenverbrauch und Einspeisung entscheidet über die Wirtschaftlichkeit - nicht der reine Ertrag allein.

Vom Ertrag zur Rendite: Worauf es wirklich ankommt

Ein hoher kWp-Ertrag ist schön, entscheidend für Ihre Ersparnis ist aber, wie viel Strom Sie selbst nutzen. Eine kleiner dimensionierte Anlage mit hohem Eigenverbrauch kann sich schneller rechnen als eine große mit viel Einspeisung zum niedrigen Vergütungssatz. Passen Sie die Anlagengröße daher an Ihren echten Verbrauch, Ihr Dach und Zukunftspläne wie Wärmepumpe oder E-Auto an. Und holen Sie mehrere Angebote ein: Bei Preis, Komponentenqualität und angesetztem Ertrag gibt es zwischen Anbietern erhebliche Unterschiede.

Kein eigenes Kapital? Die Dachpacht-Option

Wenn Sie eine große Dachfläche haben - etwa auf einer Halle, einem Betrieb oder einem landwirtschaftlichen Gebäude - aber nicht selbst investieren möchten, gibt es eine Alternative: Bei der Dachpacht verpachten Sie Ihr Dach an einen Betreiber, der die Anlage auf eigene Kosten baut und betreibt. Sie erhalten eine Pachtzahlung ohne Eigeninvest und ohne Betriebsrisiko. Für Eigenheimbesitzer, die den Strom selbst nutzen wollen, lohnt sich dagegen meist die eigene Anlage. Wattfuchs kann Ihnen beide Wege aufzeigen und passende, geprüfte Partner vermitteln.

Häufige Fragen

Bringt 1 kWp wirklich 1.000 kWh im Jahr?

Als Deutschland-Durchschnitt passt der Wert oft, aber die reale Spanne reicht je nach Standort, Ausrichtung und Verschattung von rund 900 bis 1.100 kWh pro kWp. Für Ihr Dach sollten Sie den ortsgenauen Wert (z. B. über PVGIS) statt des Mittelwerts nutzen.

Wie viel weniger bringt ein Ost-West-Dach?

Meist etwa 10 bis 20 Prozent weniger Jahresertrag als ein optimales Süddach. Dafür verteilt sich die Erzeugung auf Morgen und Abend, was den Eigenverbrauch erhöhen kann - für viele Haushalte unterm Strich ein guter Kompromiss.

Verliert die Anlage über die Jahre stark an Leistung?

Nein. Moderne Module altern mit rund 0,4 bis 0,5 Prozent pro Jahr und leisten laut Herstellergarantie meist auch nach 25 Jahren noch über 80 Prozent. Der Ertragsrückgang ist also langsam und einkalkulierbar.

Lohnt sich Photovoltaik 2026 noch trotz gesunkener Einspeisevergütung?

In der Regel ja - aber die Rechnung verschiebt sich vom Einspeisen zum Eigenverbrauch. Da selbst genutzter Strom rund 30 bis 35 Cent Netzbezug ersetzt, die Einspeisung aber nur noch gut 7 bis 8 Cent bringt, zahlen sich ein hoher Eigenverbrauchsanteil und ggf. ein Speicher am stärksten aus.

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